Der neue Mega-Trend: Putzen. Sinnvoll oder Unfug?

Derzeit kommt man nirgends an dem neuesten Trend vorbei: in allen sozialen Netzwerken, den Zeitungen, Sendungen – überall ist nur mehr die Rede von (exzessiven) Putzen und Ausmisten. Jeder, der derzeit auf diesen Zug aufspringt hat die Chance,  sich eine goldene Nase zu verdienen. 

Aber was ist dran an dem Putzwahn? 

Aufräumen und Putzen müssen wir ja wohl alle, manche mehr oder weniger, manche mit mehr Begeisterung und manche mit weniger. Täglich oder unregelmäßig. Manche von uns haben auch jemand, der ihnen diese Arbeit abnimmt. 

Putzen, Ausmisten, Ordnen ist also etwas ganz Normales, Alltägliches. Und ganz ohne geht es einfach nicht. 

Warum also jetzt plötzlich dieser Hype? 

Gleich vorweg gesagt: Diese ganzen Shows, Bücher, Blogs etc sind für die Urheber in erster Linie eine ziemlich lukrative Einnahmequelle. Und zweitens: die mediale Welt lebt von Hypes. Mal sind es Avocados, mal ist es eine Sportart und diesmal eben Putzen. Hypes haben von Anfang an ein Ablaufdatum. 

Von der psychologischen Seite aus betrachtet ist die Erklärung für den Trend Putzen/Ausmisten relativ einfach: Die Menschen haben den Wunsch (der erst geweckt wurde) ihr Leben, ihre Umgebung zu ordnen, Übersicht über alles zu gewinnen, alles im Griff zu haben. Da das oft im „großen“ Leben nur teilweise möglich ist wird das eben auf das eigene Zuhause projiziert. Da hat man ja meist die volle Kontrolle. 

Man hat die Möglichkeit, gestalterisch zu sein, aktiv zu sein und vor allem: man sieht relativ rasch einen Erfolg. Wenn man sich am Abend umschaut sieht man, was man geschafft hat und kann stolz auf sich sein. Und sich belohnen. Putzen und Ausmisten ist also die Erfolgsstory für den Alltag. Und Erfolg schreit nach mehr. 

Je mehr man putzt, ausmistet und aufräumt desto mehr Erfolgserlebnisse hat man. Und diese Erfolge sind jederzeit wiederholbar, daher leicht zu erreichen. 

 

Das öffentliche Ausmisten

Inzwischen ist das, was wir täglich/wöchentlich zu Hause routinemäßig in aller Stille tun SocialMedia-tauglich. Alle putzen jetzt öffentlich. Es gibt inzwischen viele Gruppen, die sich Themen wie Ordnung, Putzen, Ausmisten, etc widmen. Und die Gruppen haben regen Zulauf. Man postet was man geschafft hat, holt sich Tipps oder Motivation. 

Was ist davon zu halten? 

Das muss jeder selbst für sich entscheiden.  Meine persönliche Meinung dazu ist ambivalent. Einerseits finde ich es positiv: die Gruppen bieten einen gewissen „geschützten“ Raum wo alle, die Probleme mit Ordnung haben sich austauschen können und viel Unterstützung und Motivation bekommen. Viele haben es damit schon geschafft, ihren Haushalt in den Griff zu bekommen bzw mal damit anzufangen. Die Gruppendynamik zieht viele mit, die allein wahrscheinlich nie angefangen hätten oder die es schon lange vor sich herschieben. 

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich dadurch auch konsequent mal die gesamte Wohnung gründlich ausgemistet habe – wirklich jedes Regal, jede Lade, jede Ecke. 

Andrerseits ist es auch negativ: auch wenn in den Gruppen immer wieder zu Höflichkeit und Respekt aufgerufen wird: Manchmal werden Leute trotzdem mit negativen, respektlosen und zynischen Kommentaren zugeschüttet, vor allem wenn dazu noch Bilder einer  – nun ja, nicht so ganz tiptopper Wohnung gepostet werden. Und das kann ganz schön unter die Haut gehen. Noch dazu muss man bedenken, dass eine Gruppe alles andere als ein geschützer Raum ist! Wer im Netzt was postet muss sich immer bewusst sein, dass es trotz allem öffentlich ist! Ich bin oft erstaunt, was da alles an doch sehr privaten Sachen gepostet wird. 

Ordnung halten
FAZIT: 

Was also ist jetzt von dem Ganzen zu halten? 

Unterm Strich nicht allzu viel. Aufräumen und Ordnung halten gehört sowieso zum Haushaltsalltag und wir haben es vor dem Hype auch alle mehr oder weniger gut geschafft. Und werden es nachher auch. 

Und das Motto „Alles was dich nicht glücklich macht, kann weg“ ist ja auch nicht neu (übrigens mein Lieblings-Lebensmotto!). Schon die Oma kannte den „Frühjahrsputz“ und „Weihnachtsputz“, wo eben 2x im Jahr die Wohnung/das Haus gründlich ausgemistet und geputzt wurde. Also: das Rad wurde hier definitiv nicht neu erfunden!  

Dem einen oder anderen mag der Hype ja durchaus helfen aber ich sehe das so enden wie bei Diäten: hört man damit auf, sprich: ist der Hype vorbei, ist alles meist wieder beim Alten.

Ich denke, dass sich auch viele dadurch selber unter Druck setzen: die und die hat das und das geschafft – das muss ich auch schaffen! Und über kurz oder lang ist die Alltagsaufgabe „Putzen und Ordnung halten“ Stressfaktor Nummer Eins. Und dann fängt es an wirlich ungesund zu werden! 

Ein entspanntes Leben führen! 

Liebe Leute! Eine saubere, aufgeräumte Wohnung ist definitiv gut und etwas Positives. Sich damit aber komplett fertig zu machen ist großer Unfug! Ich denke nicht, dass bei euch in der Küche OPs durchgeführt werden – also braucht sie auch nicht steril sein. Genausowenig wie Bad oder WC. Übertriebene Hygiene macht nicht nur Stress sondern fördert auch Allergien. Macht normal sauber und dann entspannt euch bei einem Glas Wein oder einem guten Buch oder geht aus und trefft Freunde! Das ist für eure Gesundheit wesentlich besser als stundenlange Putzorgien. 

In diesem Sinne:  

 

ordnung halten

Übrigens: ich setze mich immer wieder mal mit dem Thema Ausmisten auseinander und finde es auch durchaus sinnvoll – solange es keinen Stress verursacht. Hier kannst du mehr zum Thema lesen: 

Warum Ausmisten so wichtig ist

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